Liberei

Braunschweig, Kröppelstraße

Nur wenige Meter südöstlich der Andreaskirche befindet sich die 1412-1422 errichtete Liberei. Der eher unscheinbare Bau ist das älteste freistehende Bibliotheksgebäude nördlich der Alpen. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, konnte sein ursprüngliches Erscheinungsbild durch Restaurierungsarbeiten ab 1963 nahezu wieder hergestellt werden. Somit ist die Liberei das einzige erhaltene Beispiel für Backsteingotik in Braunschweig.

Der Grundstock für die Bibliothek wurde bereits 1309 durch den Pfarrer der Andreaskirche, Magister Jordanus, mit seiner Sammlung von 18 Handschriften gelegt. Von da an wuchs der Bestand der Bücher, insbesondere durch Schenkungen kontinuierlich. Besonders Johann Ember, ab 1399 Pfarrer an der Andreaskirche, mehrte den Bücherbestand. Unter seiner Leitung entstand der kapellenartige Backsteinbau. Durch eine Schenkung von Gerwin von Hameln (1415-1496) erreichte die Liberei ihren kulturellen Höhepunkt. Gerwin verfügte testamentarisch, dass die Bücher neben geistigen Würdenträgern, auch von ehrbaren Bürgern der Stadt eingesehen werden können. Von den einst 336 Büchern seiner Schenkung sind heute noch 137 Exemplare unter anderem in der Stadtbibliothek in Braunschweig sowie in der Herzog-August Bibliothek in Wolfenbüttel erhalten. Wie viele Bücher zur Sammlung der Bibliothek, bis zur Auflösung im Jahr 1753 zählten, ist allerdings ungewiss.

Auf der Nord- wie auch auf der Südseite der Liberei bestimmen gotische Treppengiebel mit Blendnischen das Erscheinungsbild. Über die gesamte Breite der südlichen Wand verläuft auf Traufhöhe ein Schmuckfries mit insgesamt 17 schreitenden Löwen. Unterhalb davon sind drei Wappen angebracht: das Wappen des Domstiftes links und der Braunschweiger Löwe als Symbol für den Rat in der Mitte. Die drei Eimer im rechten Wappen stehen für den Erbauer der Liberei, Johann Ember (Eimer). Die Erschließung der beiden Geschosse im Inneren ist nur getrennt von außen möglich. Die Kreuzrippengewölbe beider Räume stammen von Sanierungsarbeiten aus den Jahren 1984/85.