Ilsetal, Ilsenburg

Landkreis Harz

Die Sage von Prinzessin Ilse

Einst regierte im Harz der König Ilsung. Unweit des Brockens, auf einem Felsvorsprung hoch über einem Fluß, stand sein Schloss. König Ilsung hatte eine Tochter namens Ilse. Ihre Schönheit und Anmut waren weit über die Grenzen des Harzes bekannt. Jährlich kamen unzählige Freier aus allen Teilen des Landes um um die Gunst der schönen Prinzessin zu werben. Aber kein Mann war unter ihnen mit dem Ilse ihre Liebe teilen wollte. Ihre Liebe zu ihrem Vater und zum schönen Harz waren größer.

In dem Tal unterhalb des Schlosses lebte eine alte Hexe mit Ihrer Tochter. Die Tochter war so hässlich und boshaft, dass selbst ihre Mutter zuweilen das Fürchten vor ihr bekam. Kein Mann wollte um ihre Hand anhalten. Da verirrte sich ein junger Ritter im dichten Harzwald. Er wollte wie so viele vor ihm sein Glück bei der schönen Prinzessin Ilse versuchen. Als die Nacht hereinbrach kam er an das Häuschen der alten Hexe. Er bat um Einlass und ein Lager für die Nacht. Als die hässliche Tochter den Ritter erblickte wollte sie ihn haben. Sie bettelte ihre Mutter an den Ritter mit einem Bannspruch zu belegen oder ihm einen Trunk zu geben, so dass er für immer ihr gehöre. Nach dem der Ritter eingeschlafen war beträufelte die alte Hexe seine Augenlider mit einer ihrer dunkelsten Essenzen. Die hässliche Tochter wachte die ganze Nacht vor seinem Lager.

Als der Prinz am Morgen in der Hütte erwachte, stand vor ihm ein wunderschönes liebreizendes Mädchen. Die Tropfen der Hexe trübten nicht nur den Blick, sondern vernebelten auch den Geist des Prinzen. Lieblicher könne die Prinzessin nicht sein. Solle sich doch ein anderer auf dem Schloss einen Korb abholen. Er habe ein Mädchen gefunden und wenn sie seine Braut werden will, dann solle es so sein. Schon bald begannen die Hexe und ihre Tochter alles für die Hochzeit herzurichten. Die junge Hexe konnte es kaum erwarten den Prinzen zum Gemahl zu haben.

Einige Tage vor dem großen Ereignis spazierte der Prinz allein durch den Wald und kam an einen klaren Bergfluss. Er warf all seine Kleider ab und sprang hinein. Als das Wasser seine Augen berührte, wusch es die Zaubertropfen von seinem Antlitz. Der Prinz erkannte welchem Schwindel er aufgesessen war. Er nahm seine Sachen und floh den Fluss hinauf. Angekommen in der Burg berichtete er allen, was ihm widerfuhr. Freundlich nahm ihn König Ilsung auf und seine Tochter Ilse verlor ihr Herz an den Prinzen. Schon bald leuteten die Hochzeitsglocken.

Als die Nachricht zu der alten Hexe und ihrer hässlichen Tochter drang, waren beide außer sich vor Wut. Sie verfluchten den König mitsamt seiner Tochter und schworen Rache. Wenn das Hexenmädchen den Prinz nicht bekäme, dann solle ihn niemand haben. In der folgenden Vollmondnacht verbündete sich die Hexe mit dem Teufel. Es erklang ein ohrenbetäubendes Grollen und Tosen. Die Berge brachen auseinander und die Burg stürzte in die Tiefe. Unter Felsmassen begraben starben alle – bis auf die Prinzessin. Sie konnte sich mit letzter Kraft aus den Fluten retten. Seit diesem Tag sucht die Prinzessin ohne Unterlass am Ufer des Flusses nach ihrem Liebsten.

Sonntagskinder berichten, dass die Prinzessin noch heute durchs Tal wandle und sehnsuchtsvoll den Namen des Prinzen rufe. Zu Ehren der Prinzessin wurde der Fluss Ilse genannt. Dort, wo einst die Burg von König Ilsung hoch über dem Tal thronte, ist heute im Berg ein Kreuz angebracht.