Dorfkirche Hemkenrode

Landkreis Wolfenbüttel

Die Geschichte der Dorfkirche in Hemkenrode geht vermutlich bis auf das 12. Jahrhundert zurück. Bei Ausgrabungen zu Beginn der 1960er Jahre konnten Fundamente und Reste einer romanischen Chor-Apsis freigelegt werden die eine Einordnung in diese Zeit zulassen. In seiner ursprünglich romanischen Form erhalten geblieben ist nur der auf trapezförmigem Grundriss errichtete Westbau mit seinem barocken Turmaufsatz. Alle anderen Gebäudeteile wurden im Laufe der Jahrhunderte überbaut oder verändert. Sicher belegt ist die Existenz der Kirche Hemkenrode erst für das Jahr 1348 in einer Schenkung des Herzogs Magnus des Älteren von Braunschweig an den Gerichtsherrn von Destedt, Heinrich von Veltheim.

In der Außenwand unter dem Chorfenster ist die Jahreszahl 1448 in lateinischen Schriftzeichen eingehauen. Sie datiert die Überbauung des romanischen Ostabschlusses mit dem noch erhaltenen gotischen Chor. Zur gleichen Zeit wurden die Außenwände des bestehenden Sakralbaus um 1,70 erhöht. Dies ist im inneren der Kirche an der Südwand durch einen Mauerversprung sichtbar. Zu den Erweiterungen Mitte des 15. Jahrhunderts zählt auch die Vorhalle an der Nordseite der Kirche.

Massive Umbauten erfuhr der Sakralbau in den Jahren 1877/78. An der Vorhalle auf der Nordseite wurde ein neues Eingangsportal mit Tympanon (Schmuckfläche im Bogenfeld) eingefügt und der daneben befindliche alte Eingang zugemauert. Der Umriss ist noch im Mauerwerk erkennbar. Die mittelalterlichen Fensteröffnungen wurden im neogotischen Stil umgestaltet. Das Einfügen einer Empore an den Süd-, West- und Nordseiten im Inneren teilte den Kirchenraum in der Vertikalen und durchschnitte die Fenster dem Zeitgeist entsprechend. Zudem musste der romanische Taufstein aus dem 12. Jahrhundert musste einem hölzernen Ständer weichen.

1961/62 konnten während Ausgrabungs- und Sanierungsarbeiten wichtige Erkenntnisse über die Baugeschichte der Kirche gewonnen werden. Neben der romanischen Chorapsis ergaben die Untersuchungen, dass bereits vor 1448 der Haupteingang der Kirche von der Nord- auf die Südseite verlegt wurde. Weiter Funde waren ein mittelalterliches Weihbecken in der heutigen Sakristei sowie Grabstätten im Chor. Die anschließende Neuverlegung der Bodenplatten in diesem Bereich verdeutlicht den Verlauf der romanischen Chorapsis. Der behutsame Umgang mit historischer Bausubstanz zeigte sich besonders durch den Rückbau der Empore bis auf die Westwand. Für die Neugestaltung des Chorfensters sowie des Fensters im Taufraum konnte der Künstler Helmuth Uhrig gewonnen werden. Von ihm stammen auch die bronzenen Kruzifixe im Taufraum und der Sakristei.

Als wertvollster Kirchenbesitz zählt das in Schweinsleder gebundene lateinische Missale (Messbuch) von 1511. Des Weiteren gehören zur Ausstattung ein Altarkruzifix (um 1510), ein noch in Gebrauch befindlicher Abendmahlskelch von 1717, eine Patene (Schale) von 1728 und eine Oblatendose (1908).