Burg Zilly

Landkreis Harz

Burg Zilly kann im Harzvorland den Rang als eine der besterhaltenen Niederungsburgen beanspruchen. Vom einstigen Schutz durch Wassergräben kündet jedoch nur noch der Teich im Osten der Burganlage.

Die erstmals 1172 erwähnte Burg besetzt eine einstmals wichtige strategische Position an der Handels- und Heerstraße von Braunschweig über Osterwieck nach Halberstadt. Sie wechselte wiederholt ihren Besitzer. Im mittleren 14. Jahrhundert gehörte sie den Grafen von Wernigerode. Um 1370 wurde sie an die Regensteiner Grafen verpfändet. 1504 fiel die Wasserburg an das Halberstädter Domkapitel und gelangte nach 1648 mit Halberstadt an Brandenburg. Schließlich diente die Anlage als preußische Domäne.

Burg Zilly gliedert sich in eine auf kompaktem Grundriss errichtete Kernburg und eine weiträumige Vorburg. Der ursprüngliche Zugang in die Vorburg erfolgte von Osten. Neben dem Bergfried der Kernburg ist die Nordostecke der Vorburg mit einem weiteren Turm ausgestattet. Er sicherte den Zugang. Von den Wirtschaftsgebäuden in der unregelmäßig angelegten Vorburg sind außer der Ringmauer nur Teile des Südwest- und des Ostflügels mit dem äußeren Burgtor erhalten. Die übrigen Gebäude wurden zum Teil erst in den 1960er Jahren abgebrochen.

Von herausragender Bedeutung ist die auf einem annähernd quadratischen Grundriss errichtete Kernburg. Sie vertritt mit ihrer kompakten Bebauung einen regional ausgeprägten Bautypus, welcher auch an der Westerburg und der Oberburg von Schloss Hessen zu beobachten ist. Ihre Bausubstanz geht vermutlich weitgehend auf das 14. Jahrhundert zurück. Der wuchtige Bergfried besetzt die Nordostecke des geschlossen umbauten Gevierts. Er erreicht mit seiner Dachhaube aus der Renaissancezeit (um 1600) eine Gesamthöhe von 57 m und bietet eine beeindruckende Fernwirkung.

Der Palas nimmt als einstiger Saal- und Wohnbau die gesamte Westflanke der Kernburg ein. Der ungewöhnlich mächtig aufragende Palas zeichnet sich durch einen turmartigen Aufsatz an seinem Südende aus. Das steile Satteldach birgt noch das ursprüngliche Dachwerk aus dem 14. Jahrhundert. Den-drochronologische Untersuchungen ergaben, dass die Bauhölzer um 1360 gefällt wurden. Aus dieser Bauzeit ist am Nordgiebel noch ein gotisches Doppelfenster (Biforium) erhalten. Die an der Westfassade sichtbaren, entsprechenden Fenster wurden im Zuge der jüngsten Restaurierung rekonstruiert. Sie zeigen die Lage des ehemaligen Rittersaals an. Er erstreckte sich über das gesamte 3. Obergeschoss im Palas. Die Erhaltung der zahlreichen Bauteile und Details machen den Palas und die Kernburg zu einem der bedeutendsten mittelalterlichen Profanbauten der Umgebung.

Dazu gehört auch die im Erdgeschoss des Südflügels vorhandene, ehemalige Burgküche. Die Bogenstellung des Küchenkamins wird von einer gedrehten Säule getragen. Diese Säule und die Vorhangbogenfenster an der Hoffassade des Südflügels weisen auf einen Umbau im frühen 16. Jahrhundert hin.

Um 1600 richtete der Halberstädter Domdechant Matthias von Oppen in Zilly einen großen Gutshof ein. Aus dieser Zeit stammt neben der Turmhaube des Bergfrieds auch die Ausstattung der sogenannten Bunten Stube mit Wandmalereien. Das nördlich an den Palas anschließende Wirtschaftsgebäude geht wohl ebenfalls auf die Zeit der Spätrenaissance zurück.

Seit 1990 leistet ein Förderverein wichtige Dokumentations- und Sanierungsarbeiten. Ihm ist die Erhaltung dieser großartigen Burg mit zu verdanken.

Text: Elmar Arnhold

Förderverein der Wasserburganlage Zilly e.V.
Teichdamm 10
38835 Zilly

www.burg-zilly.de