Altstadtrathaus

Braunschweig, Altstadtmarkt 7

Das gotische Altstadtrathaus ist eines der ältesten erhaltenen Rathäuser Deutschlands. Mit seinen zwei senkrecht zueinander stehenden Flügeln schließt der Bau den Altstadtmarkt an seiner Nordwestecke ab. Die mittelalterliche Bedeutung im einst größten und wirtschaftlich stärksten Weichbild, der Altstadt, lässt sich noch heute erahnen. Über Jahrhunderte erkannten hier die neuen Herzöge vor dem Rat der fünf Teilstädte die Rechte der “freien Stadt Braunschweig” an. Wenn dies geschah, trat der Bürgermeister der Altstadt auf den Laubengang und sprach mit der versammelten Bürgerschar auf dem Altstadtmarkt den Eid auf den Herzog. Nach wie vor wird das Altstadtrathaus für öffentliche Empfänge und Veranstaltungen der Stadt genutzt. Im Untergeschoss zeigt das Städtische Museum Braunschweig Ausstellungen zur Stadtgeschichte. Besonders beeindruckend ist ein ca. 4 Meter großes Modell, welches einen Eindruck der einst größten Fachwerkstadt Deutschlands vor ihrer Zerstörung 1945 vermittelt.

Baubeginn des noch im Westflügel enthaltenen Kernbaus war das Jahr 1253. Das zweigeschossige, fünfachsige Gebäude wurde 1393-1396 durch den Nordflügel erweitert. Zur gleichen Zeit entstanden die Arkaden vor dem Westflügel, während die Bögen vor dem Nordflügel erst 1447 bis 1468 das Aussehen vereinheitlichten. Eine Ergänzung erfuhr das Altstadtrathaus 1681 an der Breiten Straße durch den Autorhof. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg fand ein Wiederaufbau durch Verwendung der ursprünglichen Renaissance-Fassade statt. Zwischen 1380 und 1679 stand an dieser Stelle die St. Au(c)tor-Kapelle, geweiht dem Schutzheiligen der Stadt Braunschweig.

Das Erscheinungsbild der marktseitigen Schaufassaden wird durch beeindruckende gotische Laubengänge bestimmt. An den oberen Pfeilern befinden sich seit 1455 nahezu lebensgroße Figuren ottonischer und welfischer Kaiser, Könige und Herzöge. Bis auf Kaiser Lothar von Süpplingenburg (Winkelpfeiler) sind alle Herrscher mit ihren Frauen dargestellt. Am zweiten, äußeren Pfeiler des Westflügels ist im unteren Bereich das Maß der Braunschweiger Elle als eiserne Platte angebracht. Sie diente als Kontrollmaß für die Händler, die auf dem Altstadtmarkt ihre Waren kauften und verkauften.

Die Große Dornse von 1447 im Obergeschoss des Westflügels ist der repräsentativste Raum im Inneren. In den Jahren 1532 und 1538 fanden hier Versammlungen des Schmalkaldischen Bundes statt. Daran erinnern Abbildungen von Fürsten, die als Wandschmuck zu sehen sind. Gegenüber der Großen Dornse befindet sich im Nordflügel der 1977 renovierte Bürgermeistersaal (Kleine Dornse). Der Keller und das Erdgeschoss dienten vor allem als Wirtschaftsräume aber auch als Zeughaus und im 15. Jahrhundert als Gefängnis.

Figuren an den Laubengängen
(von links nach rechts)

Westflügel:

  • König Heinrich I. und Mathilde die Heilige
  • Kaiser Otto I. und Adelheid von Burgund
  • Kaiser Otto II. und Theophanu
  • Kaiser Otto III. mit seiner Verlobten Zoe

Winkelpfeiler:

  • Lothar von Süpplingenburg

Nordflügel:

  • Kaiser Otto IV. und Beatrix von Schwaben
  • Herzog Heinrich der Löwe und Mathilde von England
  • Wilhelm von Lüneburg und Helena von Dänemark
  • Herzog Otto das Kind und Mathilde von Brandenburg
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